Ihr Name war Belisa Ceprusculario. Und ihr Beruf war es, Worte zu verkaufen. Für fünf Centavos lieferte sie Verse zum Gedenken, für sieben verschönerte sie die Bedeutung der Träume, für neun schrieb sie Liebesbriefe und für zwölf erfand sie Beschimpfungen gegen Todfeinde. Wer bei ihr für fünfzig Centavos kaufte, der bekam ein geheimes Wort, um die Schwermut zu vertreiben. Es war niemals dasselbe. Das wäre ja Betrug an allen gewesen. Jeder bekam das seine und er konnte sich vollkommen sicher sein, dass kein anderer es für den selben Zweck gebrauchte, in dieser Welt nicht und nicht jenseits davon…
Über mich
Nächster Termin: 14. Dezember 2017

Geschichten am Feuer

Ort: CamboMare, Aybühlweg 58, Kempten

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Nächster Termin: 16. Dezember 2017

Sterntaler – Märchen zur Weihnachtszeit

Ort: Sport Reischmann, Bahnhofstrasse 3-5, Kempten

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Nächster Termin: 17. Dezember 2017

Eine Handvoll Sterne

Ort: Kath. Kirche St. Hedwig, Drosselweg 1, Kempten-Thingers

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Nächster Termin: 21. Dezember 2017

Ein Licht in der Winternacht

Ort: Galeria Müssiggengelzunfthaus, Sigmund-Ullmann Platz 1, Kempten

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Nächster Termin: 05. Januar 2018

Dinner in the Dark

Ort: Hotel Bayerischer Hof, Füssenerstr. 96, Kempten

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Nächster Termin: 09. Januar 2018

Seelenfeuerabend

Ort: Greiters 352, 87764 Legau

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Irische Geschichten und Keltische Harfe

Neue CD: Über den Hügeln von Connemara

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Als spielte sich das Leben ab, während ich spreche…

„Geschichtenerzählen ist wie erinnern. Indem ich den Menschen Geschichten erzähle, erinnere ich sie an ihre eigenen Geschichten. Das kann ein sehr berührendes Erlebnis sein. Eine Erfahrung, die der Held der Geschichte durchmacht, wird dann zu einer eigenen Erfahrung. Sie kann unseren Horizont erweitern und uns tiefe Lebenseinsicht schenken.“

Biografie

Geboren 1975 in Berlin, Mutter von vier Kindern.
Mit 17 Jahren entdeckt sie ihre Gabe – das freie Erzählen.

Sprech- und Erzählausbildung bei Maximilian Ruethlein;
Ausbildung zur Atem- und Stimmlehrerin am Institut für Atemlehre Berlin. Seit 1997 freiberuflich als Geschichtenerzählerin tätig.

Auftritte in Deutschland und international:
Berliner Märchentage
Tollwood Festival, München
Kinder- und Jugendbuchmesse Oldenburg
Kulturelle Landpartie, Wendland
International Storytelling Festival, Cape Clear/Irland
Internationales Erzählkunstfestival Brixen;
Hohes Schloss, Bad Grönenbach
Rapunzel Naturkost, Legau
Stadtbibliothek Kempten
und viele mehr…

… und biografisches

Ich frage mich zuweilen, wem ich mein Talent verdanke.

Da ist mein Großvater, an den ich mich erinnere, mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen. Er konnte in seiner bayerischen Mundart immer ein paar lustige (und derbe) Sprüche zum Besten geben. Leider sagte meine Großmutter mütterlicherseits dann immer „Ach Heiner, hör doch auf!“ und die Röte stieg ihr in die Wangen. Und dann ist da meine Großmutter (die Frau von dem verschmitzten Opa), die gerne mit ihm in ferne Länder reiste, mit Auto und Wohnwagen bis nach Marokko.

Auf jeden Fall wuchs ich in Berlin auf.

Aber das war nicht Berlin, wie man es sich vielleicht vorstellt, wenn man an die Weltstadt denkt. Unser Haus war gegenüber vom Waldrand, darin haben wir Räuberhöhlen und Lager errichtet und Banden gegründet, bis um 18 Uhr die Kirchturmuhr schlug und wir heim gehen mussten zum Abendessen. Ich konnte als kleines Mädchen zahlreiche Bücher auswendig und habe dann so getan als würde ich sie vorlesen (lesen konnte ich noch gar nicht.) Als ich älter wurde, haben wir in der Schule Theater gespielt.
„Sei ein Schilfrohr.“
„Sei ein Stein.“ Das konnte ich gut.

Als wir 16 waren, mein erster Jugendfreund und ich, haben wir eines Abends überlegt, wo wir noch hingehen. Und eine winzige Anzeige in der Zitty (dem Berliner Stadtmagazin) entdeckt: „Drachengold. Märchenerzähler“. „Komm, da gehen wir hin!“
Als wir dann endlich dort ankamen, waren wir eine halbe Stunde zu spät. Das Eigenartige aber war, das wir uns in einer ganz normalen Straße mit Wohnhäusern befanden, mitten in Berlin Schöneberg. „Das ist komisch. Wo ist das Theater?“, wunderte ich mich. Dann standen wir bei der richtigen Hausnummer. „Hier muss es sein.“ Ich las die Klingelschilder „Müller, Schiefer,… Drachengold! Hier ist es.“
Wir klingelten, die Tür summte, wir gingen durch den Hauseingang in den Hinterhof, da gab es einen zweiten Eingang, dann vier Treppen hoch und plötzlich standen wir vor der Tür des Märchenerzählers.

„Guten Abend.“, er schob seine Brille hoch. „Ich dachte, heute kommt keiner mehr. Hab mir grad das Badewasser eingelassen. Aber da ihr nun schon einmal da seid, naja, dann kommt mal rein.“ Wir saßen auf roten Klappstühlen in seiner Küche, er kochte Matetee und während das Wasser heiß wurde, stellte er das Badewasser ab. Dann führte er uns in sein Wohnzimmer, ein Raum, der bis zur Decke mit Büchern vollgestopft war, setzte sich auf einen Korbstuhl, neben dem ein Strauß weißer Lilien stand, der im Laufe des abends betörend zu duften begann, und erzählte uns zwei Stunden lang Märchen. Wir saßen zu seinen Füßen auf einem weichen Schaffell und hingen an seinen Lippen.
Dass er diese Vorstellung damals für uns zwei gegeben hat – was für ein Glück! Dafür bin ich ihm heute sehr dankbar.
Tief beseelt gingen wir später durch die Straßen im Licht der Laternen, um die Ecke gab es köstliche Falafel mit Sesamsoße und wir konnten noch nicht ganz glauben, was uns soeben geschehen war.

Ungefähr ein halbes Jahr später, als ich mit meinem Freund per Interrail durch Deutschland fuhr, lud uns ein Student aus Freiburg ein, bei ihm zu übernachten. Er kochte uns Spagetti auf seiner einzigen Kochplatte. Erst die Spagetti, dann die Soße. Ich fand das so cool, saß aber da, schüchtern und stumm wie ein Fisch.
Als wir am nächsten Morgen wieder auf der Straße standen, dachte ich mir: „Was hatte er nun von unserem Besuch? Er hat uns viel gegeben, aber was haben wir ihm gegeben?“ Als wir dann später wieder im Zug saßen, fiel mir der Märchenerzähler wieder ein. „Was meinst Du?“, fragte ich meinen Freund, „ob man das lernen kann?“ „Was?“ „Na, Märchen erzählen.“

Sobald wir wieder in Berlin waren, rief ich dort an. Ja, er hat eine Kursgruppe! Wir durften dazu kommen.
So saßen wir kurze Zeit später wieder auf den roten Klappstühlen in Berlin Schöneberg in der „Märchenerzählwerkstatt“. Und es ging los mit dem ersten Märchen. Er las vor, wir hörten mit geschlossenen Augen zu und sollten dann reihum erzählen, an was wir uns noch erinnern konnten. Und das war viel! Jede Woche ein anderes Märchen, wir arbeiteten uns durch die „Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm“ und nach dem Erzählen sprachen wir darüber, was die Bilder in uns bewegt hatten.

Und so ein Jahr und ein zweites und dann sagte er eines Tages: „Annika, ich bin doppelt gebucht. Ich kann mich nicht zerteilen, diesen Termin musst Du machen.“ Ich konnte es nicht fassen. „Ich?“ fragte ich erschrocken.

Ein paar Wochen später hatte ich dann also meinen ersten Auftritt in einem Seniorenheim in Charlottenburg. Die alten Damen und Herren saßen beim Kaffeetrinken, klapperten mit ihren Kaffeetassen und ich erzählte ihnen Märchen. Eine halbe Stunde, dann bekam ich mein Honorar: 100,– DM! Das war unglaublich. So viel Geld kann man mit Märchenerzählen verdienen? Ich war begeistert.

Während ich mich auf meine Abiturklausuren vorbereitete, lernte ich Märchen. Und ich dachte viel darüber nach – wie kann das ein Beruf sein? Wie mache ich das? Ich fing an zu träumen. „Einen Wagen müsste ich haben“, dachte ich, „und ein Pferd und dann ziehe ich wie die fahrenden Leute von einem Ort zum anderen und dort, wo ich hinkomme, erzähle ich den Menschen Märchen.“

So stellte ich mir das vor…

Und als wir (mit meinem Jugendfreund war ich da schon nicht mehr zusammen, aber mein neuer Freund war auch ein Geschichtenliebhaber) dann zwei Jahre später auf einer Englandreise an einem Traveller Lager vorbei fuhren, wo genau so ein Wagen stand, wie ich ihn mir immer erträumt hatte - Baujahr 1922, Holzräder mit Eisenringen, darin eine kleine Küche, ein Bett, alles aus Holz gebaut, kunstvoll bemalt und verziert. Da dachte ich: „Hoppla! Meine Bestellung ist angekommen!“ Wir stiegen aus, schauten den Wagen aus der Nähe an und der Traveller, dem der Wagen anscheinend gehörte, trat zu uns und sagte „It´s for sale!“
Geld hatte ich zwar keins, aber mein verschmitzter Großvater hatte ein Sparguthaben für mich angelegt. Und der Traveller erriet genau die Geldsumme, die darauf war. Die fahrenden Leute sind schlau. Er wusste, dass er nicht zu handeln brauchte. Er hatte das Leuchten in meinen Augen gesehen.
Sie brachten uns den Wagen auf einem Tieflader nach Deutschland. Zu einem guten Freund in der Nähe von Oldenburg und dort begannen wir mit der Restauration. Jetzt fehlte zu unserem Glück nur noch ein Pferd. Und wir hatten noch ein zweites erstaunliches Wunder aus England mitgebracht – ich war schwanger!

Zwei Sommer zogen wir mit Pferd und Wagen, Kind und Hund über das Land.

Als unser zweites Kind zur Welt kam, wurde der Pferdewagen zu klein und wir sattelten um auf eine Zugmaschine und einen Zirkuswagen. Und so noch ein Jahr und ein zweites. Bis unser Sohn Lugh so alt wurde, dass wir begannen, uns Gedanken darüber zu machen, wo er zur Schule gehen würde.
Schließlich ließen wir uns nieder. In einer kleinen Lebensgemeinschaft, in einem winzigen Dorf in einer verlassenen Gegend, wo damals Aussteiger ein neues Leben begannen – Depekolk heisst dieser Ort, und liegt in der Altmark, in Sachsen-Anhalt. Dort besuchte unser Sohn Lugh die „Freie Schule Altmark“ und unsere Lovis ging in den Kindergarten. Als der Winter kam, zogen wir vom Wagen ins Haus. Und während die Kinder auf dem Hof, wo wir mit einer lieben Familie und einem weiteren Freund zusammen lebten, ein ziemlich geordnetes und lustiges Leben hatten, fuhr ich an den Wochenenden nach Berlin zum Institut für Atemlehre und machte meine Ausbildung zur Atem- und Stimmlehrerin.

Unsere Liebe aber war für ein stetiges Leben nicht gemacht, wir verloren einander immer mehr und als wir uns dazu entschlossen, an einem neuen Ort noch einmal neu anzufangen und von der Altmark ins Allgäu zogen, um unsere Ehe zu retten, scheiterte dieser Versuch. Die Ehe brach auseinander, und so wurde das Allgäu zu einem größeren Neubeginn, als wir ursprünglich gedacht hatten – ein ganz neuer Lebensabschnitt, getrennt voneinander.
Ich gewann einen Allgäuer lieb, mit dem ich ein neues Leben begann, das nun darin bestand, die Kinder weiter durch ihre Schulzeit zu begleiten, meine Selbständigkeit als Geschichtenerzählerin wieder aufzunehmen, in den Bergen zu wandern und im Sommer im See zu schwimmen. Und zu meiner Liebe gesellte sich noch eine weitere hinzu – die Liebe für diese wunderbare Landschaft: das Allgäu.

Die Bergwiesen, die mich mit ihrem leuchtenden Grün an die Hügel in Irland erinnerten, das klare Wasser in den Bächen, das so rauschend und voller Kraft aus dem Berg heraus strömt, der Bergkäse, die guten Landjäger, Kaminwurzen, Rauchpeitschen und was es sonst noch alles für köstliche Leckereien gibt. Ich gab mein Vegetariertum bald auf. Und seitdem lebe ich nun in dieser großartigen Gegend, übe meinen Beruf aus und bin glücklich dabei. Und ich habe meinem Allgäuer Mann noch einen Sohn und eine Tochter geschenkt, die wir Max und Elli genannt haben.

Seit einem Jahr haben wir nun wieder ein Zuhause auf Rädern, eine gute Heimat für meine Nomadenseele. 2017 waren wir damit im Süden Europas – Andalusien und Portugal. Wir haben über den Atlantik die Küste von Afrika gesehen und den Wind der großen weiten Welt geschnuppert. Ich bin so gespannt wohin unsere Reise nun weiter geht und welche Geschichten das Leben noch für uns bereit hält.
Eins ist sicher – ich werde sie erzählen.

Märchenreise nach Fès, Marokko, 11.-18. Februar 2018

7 Tage Geschichten erzählen in Fès – Eine Märchenreise in die Welt von 1001 Nacht

Wir wohnen in einem marokkanischen Riad, ein traditionelles marokkanisches Haus mit Innenhof. Vormittags Kursprogramm, nachmittags durch die Straßen der Medina spazieren bei angenehmen 18° Grad. Seid Ihr dabei?

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